Alpenüberquerung

Sonntag, 12.09.2021

Alles ist gepackt … ich bin dann mal weg …

Die Planung

Endlich geht es los. Begleitet von unserer Hündin Ginger, starte ich morgen meine Alpenüberquerung von Garmisch-Partenkirchen nach Sterzing, wo ich geplant am 19.9.2021 ankommen soll.

Ich habe im Vorfeld viele verschiedene Reaktionen auf mein Vorhaben erlebt:

„Wow, wie toll. Das wollte ich auch schon längst mal gemacht haben.“

„Ist das nicht gefährlich für eine Frau?“

„Na ja … ich sag mal, ich finde das mutig …!“

„Hast du nicht Angst, Wölfen und Bären zu begegnen?“

„Danach musst du unbedingt auf ein Glas Wein vorbei kommen und mir alles genau erzählen!“

Tatsächlich habe ich keine Angst vor Begegnungen mit Wölfen, Bären oder einem Bergschrat. Ich finde mich auch nicht sonderlich mutig, aber ich habe doch Respekt. Respekt vor dem Wetter, das ich nicht beeinflussen kann, vor den vielen Eindrücken, die auf mich einfluten werden und natürlich auch vor der körperlichen Anstrengung. Vor allem aber habe ich Respekt vor dem „Alleinsein“ – freue mich aber auch darauf. Werde ich mir selbst genug sein?!

Die schönsten Wünsche für dieses Abenteuer hat mir mein Vater mit auf den Weg gegeben. Er hat in wenigen Worten ausgedrückt, was ich mit meinen Antworten auf oben genannte Zitate versucht habe, zu erklären:

„Genieße dieses ungewöhnliche Abenteuer mit all seinen Eindrücken und Gefühlen und behalte sie dir in deiner Erinnerung … aber achte auf plötzliche Wetterumschwünge!“

Diese Worte haben mir Tränen in die Augen getrieben und mich dann zum Schmunzeln gebracht. Danke dafür, Papa!

ASI Reisen Alpenüberquerung mit Hund von Garmisch nach Sterzing

Organisiert wurde meine Alpenüberquerung von ASI Reisen. Sie haben für Ginger und mich entsprechende Unterkünfte entlang der Route gebucht und sorgen dafür, dass das Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft transportiert wird. Darüber bin ich wirklich froh. Ein paar Dosen Hundefutter hätten den Rucksack dann doch zu einer echten Last gemacht.  Der Kontakt zu den ASI Mitarbeitern war mehr als freundlich – alle Probleme schnell gelöst … Bisher also „Daumen hoch“ … ich werde weiter berichten.

Warum einen Blog

Weil ich schon immer mal einen Blog schreiben wollte! Ich wusste nur nicht worüber! Jetzt hält mich nichts mehr. Kein Zaun ist zu hoch, kein Weg zu weit, kein Wetter zu schlecht … los gehts.

Montag, 13.09.2021

Es ist Montag Abend und ich liege mit müden Beinen, aber einem seligen Lächeln auf meinem schmalen Bett und lasse den Tag noch einmal Revue passieren. Das Wetter war herrlich und die Ausblicke auf Seen und Berge traumhaft. Angefangen hat diese Etappe mit einer Fahrt mit der Eckbauer-Seilbahn. Obwohl ich nun schon so lange im Werdenfelser Land lebe, bin ich doch weder mit der alten, noch mit der neuen Eckbauerbahn zuvor gefahren. Eine Premiere also – absolut schön und empfehlenswert. Danach ging es für uns weiter Richtung Schloss Elmau. Es waren kaum andere Wanderer unterwegs – lediglich ein paar interessierte Jungbullen stellten sich uns in den Weg. Und so konnten wir den grandiosen Blick über Stegreif, Wettersteingebirge und Schloss Elmau in ungestörter Ruhe genießen. Das Hotel dort scheint gut besucht zu sein – zumindest waren ab hier bis hin zum Ferchensee jede Menge Wanderer und Radlfahrer entlang dem Ferchenbach unterwegs.

Erst nach dem Lautersee wurde es wieder ruhiger. Hier ging es dann am südlichen Seeufer vorbei die Fahrstraße nach Mittenwald entlang, um dann rechter Hand den Waldlehrpfad in Richtung des Berggasthof Ederkanzel aufzusteigen. Der Besuch dort wurde mit einem eindrucksvollen Panoramablick auf die Wettersteinspitze, den Riedkopf bis hin ins Kawendel belohnt. Die einzige Kellnerin dort hatte zwei gut besuchte Terrassen zu versorgen und stand mir in zurückgelegten Kilometern sicher nicht viel nach. Dennoch – Apfelschorle und Pfannkuchensuppe standen schnell auf dem Tisch und sorgten für neue Energie.

Von der Ederkanzel aus ging es auf einem Waldpfad abwärts in Richtung Leutasch-Schanz. Der steinige und verwurzelte Weg führte uns hinunter bis zur Leutacher Ach und zur Geisterklamm.

Durch die Klamm führt ein ca. 3 Kilometer langer Rundweg zumeist auf Metallstegen weit oberhalb des Wassers. Ginger und ich haben den Rundweg nach der Hälfte aber verlassen – da das Laufen auf den Gittern für den Hund alles andere als angenehm war. Nichtsdestotrotz war der Ausblick auf den reißenden Strom unter uns grandios und ohne Hund ganz sicher empfehlenswert. Von der Geisterklamm ging es dann mit dem Bus zum Hubertushof, wo Ginger und ich besonders herzlich willkommen geheißen wurden. Ein warmer Pool, ein Saunabesuch und ein feines Menü am Abend haben einen wundervollen ersten Tag perfekt abgerundet.

Ginger hat ihre Sache richtig gut gemacht, konnte fast immer frei laufen und hatte bis zum Schluss noch genug Energie, mir Stecken vor die Füße zu werfen und mich zum Werfen aufzufordern. Auf der gesamten Strecke gab es für sie immer wieder Möglichkeiten, sich abzukühlen und zu trinken und die extra Große Portion Futter am Abend plus Schweineohr haben ihr sichtlich geschmeckt.

Dienstag, 14.09.2021

Und schon liegt ein weiterer Wandertag hinter uns. Angefangen hat er mit einem leckeren Frühstück im Hubertushof, bei dem es wirklich alles gab, was es braucht, um gestärkt auf Wanderschaft zu gehen. Unsere heutige Etappe begann mit einer Busfahrt nach Weidach, wo der Trail am Ortsende starten sollte. Es ging also einmal quer durch das idyllische Dorf, vorbei an dem Erlebnishotel Kristall mit einem kleinen Abstecher zum Weidachsee, der von Anglern belagert, nur bedingt als Badestelle für Hund und Mensch geeignet scheint.

Wir starteten auf einem Schotterweg, der sich schon bald zu einem urigen und verwachsenen Waldweg verjüngte. Ab jetzt marschierten wir stetig aufwärts, vorbei an verschiedenen Aussichtspunkten mit atemberaubenden Ausblicken und einsam gelegen Bänken zum Verschnaufen.

Irgendwann lichtete sich der Wald, und die Katzenkopfhütte mit ihrem noch ruhenden Sessellift tauchte vor uns auf. Noch immer satt vom Frühstück, marschierten Ginger und ich aber weiter und folgten dem Forstweg Richtung Wildmoosalm. Hier war richtig was los – von jetzt auf gleich viel zu viele Menschen. Also gab es nur eine kurze Abkühlung für Ginger im Wildmoossee – beziehungsweise das, was von ihm übrig war.

Der Untergrund des Sees ist von Klüften durchzogen, die bis zum Seegrund heraufreichen. Etwa alle vier Jahre sammelt sich durch Schneeschmelze und Niederschläge so viel Grundwasser, das es sprinbrunnenartig aus den Klüften austritt und das Seebecken füllt. Der Wasserhöchststand ist meist im Mai – im Herbst entleert er sich. Ginger war mit einem Schlamm-Wassergemisch aber so richtig glücklich und sah danach nicht wirklich vorzeigbar aus. Egal, wir wollten ohnehin schnell weiter und sind nach wenigen Minuten wieder in den Wald abgetaucht und talwärts Richtung Seefeld marschiert.

Zum Glück gab es noch den einen oder anderen Bachlauf auf dem Abstieg Richtung Seefeld und so sah Ginger für unsere Zugfahrt nach Innsbruck wieder einigermaßen vorzeigbar aus.

In Österreich herrscht Maulkorbpflicht in allen öffentlichen Verkehrsmitteln – begeistert war sie nicht … aber was muss, das muss … Ich hatte schließlich auch eine Maske auf.

Normalerweise wäre für heute dann auch schon das Etappenziel erreicht gewesen, nur bin ich leider in den falschen Bus gestiegen und so marschierten Ginger und ich letztlich doch noch zusätzliche 6,5 Kilometer zu unserer Unterkunft für heute … Der eine oder andere wird nun denken „typisch Birte“ … und okay … Die haben auch irgendwie recht … Die zusätzliche Wanderung führte uns aber bei herrlichem Wetter durch einen sonnendurchfluteten Wald und verschaffte Ginger die eine oder andere Hundebekanntschaft.

Übernachten dürfen wir heute im Hotel Seppl und auch hier wurden wir wieder sehr herzlich willkommen geheißen. Mein Gepäck war bereits da, und nachdem Ginger sich im Zimmer genüsslich über das wohlverdiente Schweineohr hergemacht hat, war ich im Naturpool schwimmen und mal wieder in der Sauna. Das anschließende Abendessen war köstlich und somit ein gelungener Abschluss für einen wunderschönen Tag in herrlichster Natur. So kann es weitergehen.

Mittwoch, 15.09.2021

Da ich diese von ASI Reisen geplante Alpenüberquerung mit Ginger, also mit Hund mache, bin ich zweimal anders untergebracht als üblich. Das Hotel Seppl erlaubt Hunde – das für diese Nacht eigentlich geplante Hotel nicht. Wie es scheint, hatte ich damit richtig Glück. Die anderen Wanderer, die ebenfalls am Montag Richtung Sterzing aufgebrochen sind, haben nicht wirklich viel Gutes von ihrer letzten Übernachtung zu berichten. Ich dagegen war mehr als zufrieden. Abgesehen von Pool, Naturpool im Garten und tollem Abendessen war auch das Frühstück abwechslungsreich und lecker.

Normalerweise hätte ich heute ca. 50 Minuten mit verschiedenen Bussen zu meinem für heute geplanten Startpunkt fahren müssen, doch der Wirt des Seppl, hat mir ein anderes Routing empfohlen und das war mal richtig klasse.

Vom Hotel aus ging es vorbei an der Kirche quer durch das hübsche Dorf zur Muttereralmbahn. Die Fahrt zur Bergstation dauerte etwa 12 Minuten. Es waren kaum Touristen unterwegs, keine Warteschlange, keine Menschenansammlungen – herrlich. Oben angekommen ging es dann den Schildern nach Richtung Birgitzköpfhaus. Auf dem Weg machten Ginger und ich einen etwa 40-minütigen Abstecher zur Primeswand hinauf, deren Gipfelkreuz bei 2103 Metern steht. Zwar war es heut wolkig und die Sicht getrübt, nichtsdestotrotz war der Ausblick herrlich. Nach einer kleinen Verschnaufpause, denn bis hier her ging es immer steil bergauf, machten wir uns wieder auf den Rückweg, um auf unserer eigentlichen Route weiterzulaufen. Stöcke sind auf diesem Abschnitt wirklich empfehlenswert und zwar in den Händen und nicht gut verzurrt am Rucksack, wie es bei mir heute der Fall war. Viel Geröll, loses Gestein und Wurzeln machten den Weg zu einer wahren Stolperfalle. Außerdem war der Steig streckenweise sehr schmal mit einer nicht unerheblichen Hanglage zur Rechten. Die Landschaft hier war jetzt schon deutlich karger – die massiven Gebirgshänge beeindruckend und majestätisch.

Unterhalb des Birgitköpflhaus hörten wir auf einmal aufgeregte Schreie. Ginger war sofort alarmiert und scannte den Hang. Ich konnte erst nicht genau ausmachen, woher die Geräusche kamen, doch dann entdeckte ich vereinzelt braune Tiere am Boden kauern. Zuerst meinte ich, es wären Greifvögel – erkannte dann aber, dass es Murmeltiere waren, die sich gegenseitig warnten, das Wanderer und Hund im Anmarsch sind. Ginger setzte in dem Moment auch schon an und hechtete den Abhang herunter – auf Pfiff drehte sie zum Glück sofort ab und kam zurück. Hunde mit ausgeprägterem Jagdtrieb sollten hier vielleicht besser an der Leine geführt werden.

Nun ging es noch mal ein Stück recht steil bis zum Birgitsköpflhaus hinauf, dann linker Hand an der Alm vorbei talwärts Richtung dem Halsl (1992 Meter). Die Umgebung war einfach traumhaft – schroffe Felsen, die steil in den Himmel ragten, wurzelige Kiefern und dann wieder grüne Wiesen mit vereinzelten Baumbewuchs. Jede Menge Alpendohlen zeigten, was sie fliegerisch drauf haben und ich glaube sogar einen Adlerruf gehört zu haben – sicher bin ich mir dabei aber nicht.

Von nun an wanderten wir eine ganze Weile bergab und auch hier kann ich wieder nur Stecken empfehlen (meine waren immer noch am Rucksack befestigt). Viel Geröll, Wurzeln und loser Schotter zwingen einen, den Boden gut im Auge zu behalten. Auf diesem Streckenabschnitt gibt es so gut wie keine Möglichkeit für den Hund, irgendwo zu trinken – also unbedingt genug Wasser für einen selbst und den Hund mitnehmen.

Der Weg zog sich ein gutes Stück, um sich aber schließlich in einen Fahrweg zu verbreitern, der uns direkt in leichter Steigung zur Pfarrachalm führte. Hier gab es für Ginger eine Tränke, in der sie sich abkühlen und saufen durfte, für mich eine Apfelschorle und eine Kasknödelsuppn – herrlich.

Normalerweise hätte mich die von ASI geplante Route nun wieder über den Fahrweg nach Fulpmes geführt – aber der Wirt der Pfarrachalm hatte einen anderen Vorschlag für uns und so sind wir über den Hirtensteig zwar steiler, aber auch deutlicher schneller nach Fulpmes gelangt. Dieser Abschnitt strengt nach den bereits zurückgelegten Kilometern noch mal ordentlich an. Aber angekommen in Fulpmes geht es nur noch ein kleines Stückchen durch den Ort und dann direkt zu unserer heutigen Unterkunft – dem Stubaier Hof.

Ginger und ich haben bereits unsere Abende ritualisiert. Wir kommen an, ich werfe die Tasche aufs Bett, Ginger setzt sich so nahe wie möglich daran und wirft immer wieder auffordernd Blicke darauf. Sie bekommt also ihr obligatorisches Schweineohr, ich verschwinde in den Pool und in die Sauna, danach gemeinsames Abendessen. So lässt es sich aushalten.

Der Spa-Bereich des Hotels ist schlichtweg genial. Pool, Whirlpool, verschieden Saunen, Erfrischungsgetränke und wohl temperierte Ruheräume in denen man in Wasserbetten ausruhen kann. Was will man mehr?

Das Abendessen war auch in dieser Unterkunft Genuss pur. Ein großes Vorspeisen-Büfett, Auswahl aus zwei Hauptgängen und zwei Desserts – alles lecker und das Personal freundlich und aufmerksam.

Die letzten drei Tage waren ohne Einschränkung ein tolles Erlebnis. Ich habe jede Minute genossen und wenn ich meinen Hund nicht völlig falsch lese, dann gefallen ihr die Wanderungen und die ungeteilte Aufmerksamkeit von Frauchen auch ganz gut. Morgen ist also schon Tag 4. Verrückt, wie die Zeit vergeht.

Donnerstag, 16.09.2021

Also neben dem Hotel Seppl ist der Stubaierhof nun doch einer meiner Favoriten. Das Frühstücksbüffet war wirklich riesig. Man konnte sich Omelettes nach Wunsch zubereiten lassen, sich durch verschiedene Käse- und Wurstsorten probieren und dazu frische Säfte und alle Möglichen Kaffeevarianten genießen. Süße Teilchen und eine üppige Brotauswahl machten den Einstieg in eine neue Etappe meiner Alpenüberquerung perfekt.

Zuerst einmal ging es mit dem Bus in einigen Minuten zur Talstation Serlesbahn Mieders. Hier konnte man nun entweder mit dem Lift gemütlich zur Bergstation fahren oder über Forst-und Waldwege selber hinauflaufen. Rückblickend war die gesamte Tour zwar lang, ich kann trotzdem nur empfehlen, hinaufzulaufen. Die Sonne hat sich den ganzen Tag hinter tief hängenden Wolken und Nebelschwaden versteckt – trotzdem waren die Temperaturen so, dass man gut mit T-Shirt und langer Hose laufen konnte.

Der Aufstieg bis zur Bergstation hat etwa 70 Minuten gedauert, brachte 620 Höhenmeter und ca. 4,5 Kilometer Strecke mit sich. Der in den Bäumen hängende Nebel ließ heute eine ganz neue Stimmung aufkommen-alles war besonders still, friedlich, aber auch geheimnisvoll. Menschen sind wir so gut wie gar nicht begegnet, dafür aber den gesamten Tag über immer wieder Jungbullen, die in kleinen Gruppen mitten im Wald Rast machten oder auf abgelegenen Lichtungen grasten.

Noch unterhalb der Bergstation kommt man auf den Quellenweg. Ein Pilgerweg, dem man bis zum Wallfahrtskloster Maria Waldrast folgt. Der Weg ist gesäumt von kleinen Kapellen und Bildstöcken, die verschiedene religiöse Szenen nachstellen. Man passiert aber auch den Marienstein. Einer Legende nach soll Maria sich auf ihrem Weg nach Maria Waldrast an dieser Stelle ausgeruht haben. Der Stein zeigt ihren Fußabdruck und jeder ist eingeladen, ebenfalls einen Moment zu ruhen und seinen eigenen Fuß in diesen Fußabdruck zu stellen …Angeblich soll der Abdruck zu jedem Fuß passen. Also bei mir stimmt’s!

An der Bergstation angekommen, hält man sich rechts, passiert das Restaurant Hochserles, dann einen wunderschön angelegten Wasserspeicher und erreicht schließlich einen Forstweg. Diesem folgt man ein kurzes Stück und biegt dann nach rechts auf den Kapellenweg Maria Waldrast ein. Dieser führt nach ca. einer Stunde Marsch direkt bis zu dem höchstgelegen Wallfahrtskloster Europas: Maria Waldrast. Man sagt, eine Einkehr an diesem geschichtsträchtigen Ort ist sozusagen ein Gebot und bei besserem Wetter hätte ich das sicher auch getan. Heute ging das jedoch leider nicht, denn leichter Nieselregen hatte mich mittlerweile schon ziemlich durchnässt und Kleidung zum Wechseln hatte ich sinnvollerweise nicht dabei – also gab es nur einen kurzen Blick links und rechts und wieder ab in den Wald, auf die noch zum Glück unbefahrene Rodelbahn weiter Richtung Trins.

Nach ca. einem Kilometer haben wir die Rodelbahn wieder verlassen und folgten der Fahrstraße, bis wir nach etwa 700 Metern rechts auf den Trinser Steig abbogen.

Ab jetzt sind wir für dreieinhalb Stunden nur diesem Steig gefolgt, der wirklich gut beschildert und kaum zu verfehlen war. Es ging fast immer leicht bergab und der Pfad war schön begehbar – es blieb also genug Zeit, die wilde und satt grüße Natur um uns rum in uns aufzusaugen. Zwar nieselte es immer noch, aber sowohl Ginger als auch ich hatten einfach Spaß daran, dahin zu laufen, die Bewegung und die Natur zu genießen.

Leider wurde der Regen gegen Ende immer stärker und so zogen sich die letzten Kilometer auf einem landwirtschaftlichen Wirtschaftsweg etwas. Zu guter Letzt kamen wir aber doch in Trins an und fanden unsere Unterkunft in dem überschaubaren Örtchen auf Anhieb.

Übernachten dürfen Ginger und ich heute im Trinser Hof. Kein Vergleich zum Stubaier Hof – wirklich nicht. Das Haus, groß, typisch für diese Gegend und „leer“ (Ja tatsächlich – Ginger und ich sind hier heute die einzigen Gäste).

Zuerst wirkte der Wirt etwas überrascht, als ich sein Haus betrat, aber dann lief alles sehr reibungslos – der übliche Corona-Check-in, Schlüsselübergabe und die Frage nach dem Abendessen. Dann ging es auch schon in mein Zimmer in der 2. Etage. Auf den Gängen steht jede Menge rum, viel Dekor, alte Möbel, ausgestopfte Tiere und Geweihe – aber das Zimmer ist groß und hell. Das Bett wirkt einladend und bequem und ein paar Extra-Wolldecken für kalte Füße in der Nacht gab es auch.

Im Internet hatte ich etwas von Sauna und Pool gelesen. Also bin ich noch mal runter an die Rezeption (eine alte Holztruhe) und fragte, ob denn beides geöffnet sei.

Der Wirt nahm mich sofort mit, zeigte mir, wo die Sauna war und schmiss diese extra für mich an. 20 Minuten später entspannte ich in einer wirklich heißen Sauna ganz für mich allein, während Ginger ihr obligatorisches Schweineohr verspeiste.

Endlich wieder richtig aufgewärmt ging es dann um 19.00 Uhr zum Abendessen. Eine wirklich hinreißende junge Dame servierte mir erst ein Süppchen, dann ein Schnitzel mit verschiedenen Salaten und anschließend noch Pfannkuchen mit Früchten, dazu einen Tee. Herrlich! Ginger hatte derweil auch Gesellschaft. Eine etwas hyperaktive, aber zuckersüße Boxerhündin gehört zum Haus und hatte anscheinend noch Energie abzubauen … Ginger nicht mehr und so lag diese dann doch recht schnell wieder unter meinem Tisch und schlief tief und fest.

Alles in allem schlicht, aber völlig ausreichend und durch die wirklich nette Bedienung irgendwie auch urig und besonders.

Ein kleines Zwischen-Resümee:

Nun ist also schon Tag 4 um – Halbzeit! Bisher noch keine Begegnungen mit Bären oder Wölfen – leider. Wären ja mal spektakuläre Fotos. Bisher auch keine, hinter Bäumen lauernden, gemeinen Waldschrate. Dafür hin und wieder nette Begegnungen mit Menschen, die entweder die Natur oder meinen Hund toll fanden (Beidem kann ich nur zustimmen!) Ich komme gut mit mir alleine klar und habe echte Freude an der Bewegung. Dabei fühle ich mich trotz der Anstrengung interessanterweise eher gestärkt. Hin und wieder plagt mich so ein klitzekleiner Funken Heimweh … den ich aber schnell in Vorfreude auf daheim umwandeln kann. Derweil genieße ich die Erfahrung und koste wirklich jeden Moment aus.

Freitag, 17.09.2021

Tag 5 hat im Trinser Hof mit einem soliden und etwas einsamen Frühstück begonnen. Wenn man so ganz allein in einem großen Speisesaal sitzt, dann kann man schon mal sentimental werden und seine Leute vermissen. Mir zumindest ging es so in der Früh und so habe ich mich nicht lange mit Brot, Käse, Saft, Kaffee und einem (sehr leckeren) Naturjoghurt aufgehalten, sondern bin zeitig gestartet.

Mit dem Rat des Wirtes im Rücken auf Luchse und Wölfe acht zu geben, ging es vom Hotel aus nach links in die Dorfmitte, dann ebenfalls links am Gemeindeamt vorbei in Richtung Talboden/Gschnitzbach bis zu einer kleinen Brücke. Hier bogen wir rechts ab und folgten der asphaltierten Straße bis zu den Liftanlagen, liefen an denen vorbei und bogen dann rechts auf den Forstweg zur Trunahütte ab.

Der Nebel hing noch tief im Tal, aber es regnete nicht und die Luft war herrlich frisch und klar. Der Weg zur Trunahütte führt abwechselnd über buckelige Wiesen oder durch dunkle, nebelverhangene Kiefernwälder, die mit ihren moosbewachsenen Bäumen und Felsen wild und romantische zugleich wirkten. Spinnennetze wehten an tief hängenden Ästen im Wind über dem Weg und irgendwo in der Nähe musste ein Wasserfall die Felsen herabstürzen. Gesehen haben wir ihn nicht, aber das Getose des Wassers hörten wir noch lange.

Nach ca. zwei Stunden haben wir die Trunahütte passiert und folgten der Forststraße nach einem scharfen Rechtsknick weiter Richtung Eggerjoch. Der Nebel hatte sich streckenweise etwas gelichtet und manchmal kam sogar die Sonne für ein paar Augenblicke heraus. Der Forstweg, gesäumt von einigen einsamen, urigen Holzhütten, führte nun stetig ansteigend durch das Obernbergtal fast hinauf bis zum Eggerjoch.

Weiter oben muss man gut auf die Wegweiser achten, denn in einer Rechtskurve kurz vor einem Bach verlässt man den Forstweg und folgt einem mit Pflöcken markierten steilen Steig zum Eggerjoch hinauf.

Und hier passierte es. Ein Steinadler segelte über meinen Kopf hinweg und verschwand so schnell, wie er gekommen war, auch schon wieder im Nebel, tauchte dann noch einmal kurz auf und ließ sich auf einem zu weit entferntem Felsen nieder. Leider habe ich das Handy nicht schnell genug in den Händen gehabt – diese wunderbare Begegnung gehört also nur mir allein. Immerhin habe ich aber seinen unverkennbaren Ruf aufzeichnen können, denn der schallte noch einige Mal über das Tal.

Begleitet vom Wind und der Freude darüber, dass sich mein größter Wunsch für diese Reise erfüllt hatte, erreichte ich schließlich das Eggerjoch mit seinen 2152 Metern. Leider hatte sich der Nebel schon wieder verdichtet, trotzdem war es herrlich, in dieser kargen und und wilden Natur zu stehen und ein Teil davon zu sein.

Verewigt habe ich mich auch – der oberste Stein ist von mir.

Ab hier beginnt der Abstieg, der uns erst einmal zum Lichtsee führte. Er liegt auf 1590 Metern in einem Kessel zwischen dem Tribulaunmassiv und der Allerleigrubenspitze südlich vom Obernberg. Die Fläche des Sees beträgt 16,5 Hektar und ist damit einer der größten Seen in den Nordtiroler Zentralalpen. Der Wasserstand schwankt je nach Jahreszeit, wobei der niedrigste Wasserstand im Winter und der höchste bei der Schneeschmelze im späten Frühjahr gemessen wird.

Das Wasser war glasklar und und für eine kurze Zeit kam sogar wieder die Sonne zum Vorschein. Der perfekte Ort also für eine kleine Rast bei Käsebrot, Apfel und Wasser – natürlich alles brav geteilt mit Ginger, die ihre Sache einfach toll macht und immer verlässlich und freudig an meiner Seite bleibt.

Nach der kleinen Stärkung ging es dann auch schon weiter am Lichtsee vorbei auf dem Wanderweg 125 Richtung Obernberg, unserem heutigen Ziel. Sonne und dichter Nebel wechselten sich ständig ab, während wir mal durch niedrige Kieferngewächse, Sträucher oder Lärchenwälder dem teilweise sehr steilen Pfad talabwärts folgten. Wölfen oder Luchsen sind wir nicht begegnet, einem Bären auch nicht, aber gewundert hätte es mich nicht. Die Natur wirkte so unberührt, wild und abgelegen von jeglicher Zivilisation, dass Ginger und vor allem ich eher fremd am Platz wirkten. Da der Wanderweg steil und durch Steine und Wurzeln sehr uneben ist, kann ich nur empfehlen, Stecken zur Hilfe zu nehmen. Ich hatte sie diesmal auch dabei und nicht am Rucksack, sondern dankbar in den Händen.

Der Abstieg ging dann auch relativ zügig und so kamen wir nach insgesamt 4 Stunden und 40 Minuten in Obernberg an, wo wir heute in Almí ´s Berghotel übernachten dürfen.

Wasser und Abkühlungsmöglichkeiten für den Hund gab es entlang der gesamten Strecke immer wieder. Die eigene Wasserflasche kann man spätestens am Lichtsee wieder auffüllen. Laut Wikipedia hat der See eine hervorragende Wasserqualität und wird auch im Sommer kaum wärmer als 14 °C – geschmeckt hat es auch.

Das Willkommen in Almi `s Berghotel war freundlich und sehr unkompliziert. Das übliche Check-in und Corona Prozedere, dann ging es auch schon in unser Zimmer im ersten Stock. Hier war ich positiv überrascht. Ein heller Raum mit wunderschönem Blick auf die Berge und netten Details, die im Kopf bleiben.

Nach einer kurzen Verschnaufpause machten Ginger und ich dann wieder unser übliches Erholungsprogramm … Ich bin in die Sauna verschwunden und Ginger hat ihr Schweineohr verputzt. Der hauseigene Spa-Bereich ist wirklich schön und bietet ebenfalls einen tollen Blick auf das atemberaubende Panorama. Neben einer Finnischen-, einer Dampf- und einer Infrarotsauna gab es Ruheliegen innen wie außen sowie eine Teebar und stetig frisch produziertes Eis zur Abkühlung.

Abendessen wurde von 18:00 bis 20:00 Uhr angeboten. Salat und Suppe gab es vom Buffet, beim Hauptgang konnte man zwischen Fisch und Brennnessel-Knödeln wählen. Die Knödel waren wirklich lecker und der anschließende Zirbelspritz sorgte für die nötige Bettschwere. Zusammengefasst eine wirklich tolle Wanderung mit spektakulären Ausblicken auf Tier und Natur. Unglaublich, dass morgen schon der 6. Tag ist und wir bereits die italienische Grenze überschreiten werden.

Samstag, 18.09.2021

Und schon wieder liegt eine Etappe hinter uns- morgen geht es nur noch nach Sterzing, am Montag zurück in die Heimat. Tag 6 hat mit dem Frühstück im Almi ´s Berghotel begonnen. Auch hier gab es wieder eine gute Auswahl an Käse, Wurst und Brotsorten, eine tolle Obstplatte, hart gekochte Eier, Naturjoghurt, verschiedene Müslis, Kaffee, Tee und Säfte. Mehr hat es einfach nicht gebraucht und so ging es dann um 9:30 auch schon los Richtung Gossensass in Südtirol.

Der Wanderweg begann unmittelbar hinter dem Hotel und führte rechter Hand an einem Bach entlang taleinwärts. Die Landschaft links vom Bach ist geprägt von Kiefernwäldern und ersten Bergausläufern, während wir auf unserer Seite des Baches durch flache Offenweiden mit vereinzelt mächtigen Kiefern wanderten.

Die Freiweide verdichtete sich zu einem lichten Kiefernwald, den man auf einem Forstweg oder wie wir auf kleinen Trampelpfaden links vom Weg durchquert. Dabei unbedingt die rot-weißen Markierungen im Auge behalten, um auf dem richtigen Weg zu bleiben. Nach Verlassen des Waldes folgten wir den Wegweisern zum Obernberger See. Ab hier geht es eine Weile bergauf, doch oben angekommen, hat man einen wunderbaren Blick auf den ersten Teil des Sees. Große Felsen, glasklares Wasser, in dem sich die Berge und der blaue Himmel spiegeln, entschädigen uneingeschränkt für den kurzen Anstieg.

Rechts vom See ragt majestätisch der Obernberger Tribulaun empor und links schaut man auf die Allerleigrubenspitze. Am hintersten Ende des Sees liegt unser heutiges Gipfelziel – das Sandjoch, die Grenze zu Italien.

Der Bergesee liegt auf 1590 Metern, hat eine Fläche von ca. 16 Hektar und gehört somit wie auch der Lichtsee zu den größten Seen in den Nordtiroler Zentralalpen. Auch sein Wasserstand ist starken Schwankungen unterworfen, wobei der niedrigste Wasserstand im Winter und der höchste bei der Schneeschmelze im späten Frühjahr gemessen wird. Der See besteht aus zwei durch einen prähistorischen Bergsturz getrennten Teilen, die nur bei hohem Wasserstand miteinander verbunden sind. Mich hat der Obernberger See sehr an den Eibsee erinnert, nur dass der mit seiner Fläche von ca. 177 Hektar deutlich größer ist.

Nun ging es erst einmal rechts auf einen Waldweg am See vorbei, der gesäumt von großen Felsen und üppiger Natur bis zur Seekapelle „Maria am See“ führt. Sonnenstrahlen tanzten über Wasser und moosbewachsene Felsen und schufen zusammen mit dem Ausblick einfach eine tolle Stimmung. Unterhalb der kleinen Kapelle erreichten wir schließlich eine Holzbrücke, über die wir das gegenüberliegende Seeufer erreichten.

Nach der Brücke hielten wir uns kurz rechts, um dann aber links und gleich wieder links Richtung Sandjoch zu wandern. Ab jetzt wird der Weg immer schmaler und steiler, dagegen breitet sich aber das Tal vor dir aus und gibt den uneingeschränkten und herrlichen Blick auf die Allerleigrubenspitze, den Hohen Lorenzenberg und das Sandjoch frei.

Ab jetzt folgten wir dem Weg 97, der sich erst durchs Tal, dann nach links weiter in Richtung Sandjoch und später in Serpentinen den Hang hinaufschlängelte. Bis zu den Serpentinen war rechts von uns immer der Bach in direkter Nähe, später kreuzten wir ihn noch zweimal beim kurvigen Endspurt. Für Ginger gab es also immer genug zu trinken und auch Abkühlungsmöglichkeiten.

Das Wetter heute war wieder traumhaft, ein paar Wolken, viel blauer Himmel und noch mehr Sonne – herrlich. Hin und wieder musste man einfach stehen bleiben, die Stimmung in sich aufnehmen, zurückschauen und das Panorama genießen.

Der Anstieg war anstrengend, aber gut machbar und führte mal durch eng am Weg wachsende Kieferngewächse, an Felsen oder durch Hangwiesen hindurch. Streckenweise war der Steig durch loses Geröll etwas schwieriger zu laufen, meistens wanderten wir jedoch über festgetretenen Erdboden, der völlig problemlos zu bewältigen war.

Und dann war es plötzlich so weit. Wir erreichten das Sandjoch auf einer Höhe von 2165 Metern und hatten somit die Grenze zu Italien erreicht!! Unglaublich! Vereinzelte Bunker in den Berghängen machten deutlich, dass hier wirklich mal ein überwachter Grenzübergang war.

Normalerweise hätte an dieser Stelle der Abstieg nach Gossensass begonnen. Aber Ginger und ich machten noch einen kleinen Abstecher nach links und sind über den Gratweg auf den Hohen Lorenzenberg gestiegen. Der hat mit seinen 2313 Metern nur noch knapp 150 weitere Höhenmeter mit sich gebracht, dafür aber einen unvergesslichen Blick auf eine atemberaubende Bergkulisse geboten.

Zurück am Sandjoch, ging es in südliche Richtung über einen Höhenweg, der sich am Hang entlang schlängelte Richtung Tal und auch hier bot sich uns ein großartiger Ausblick auf die Tuxer Alpen, dem Hühnerspiel und dem Tuxer Gletscher.

Der Abstieg hat es, teilweise steil, streckenweise mit viel losem Geröll und dem einen oder anderen quer über den Weg liegenden Baumstamm, in sich. Wir waren ca. zwei Stunden in Serpentinen durch den Wald unterwegs, bis wir Gossensass dann doch erschöpft und mit leichtem Sonnenbrand erreichten.

Dieser Weg talwärts wird auch von Mountainbikern genutzt. Da achtsam zu sein und auf entsprechende Geräusche zu achten, ist ratsam. Der Weg ist durch seine Kurven und dem wild verwachsenen Wald zwar wunderschön, dadurch aber nur bedingt einsehbar.

Bäche oder andere Trinkmöglichkeiten gab es für Ginger seit dem Sandjoch nicht mehr. Also unbedingt genug Wasser für Mensch und Hund dabei haben. Bei uns wurde es gegen Ende dann doch etwas knapp.

Die rot-weißen Markierungen entlang des Weges führten uns aber sicher bis in die Ortschaft und da wartete man schon im Berghotel Gudrun auf uns- unser Quartier für die nächsten beiden Nächte.

Auch hier war die Begrüßung freundlich und das Einchecken unkompliziert. Unser Zimmer im 2. Stock hat ein großes Bett, ein kleines Bad und genug Stellfläche – ist aber nicht mit den Zimmern im Almi ´s Berghotel, Hotel Seppl oder Stubaier Hof zu vergleichen. Zu meckern gibt es aber auch nichts-die Saunahandtücher liegen schon bereit, also alles wie gehabt – ich bin in den Pool und in die Sauna verschwunden und Ginger hat sich über ihr Schweineohr hergemacht. Der Spa-Bereich ist schön hell mit gemütlichen Tagesbetten, einer Sonnenterrasse, Pool, verschiedenen Saunen und einem Whirlpool und war dazu kaum besucht. Also genau das richtige, um nach einem Wandertag mit einer zurückgelegten Strecke von 15,7 Kilometern und knapp 1000 Höhenmetern zu entspannen.

Vor dem Abendessen gab es noch eine besondere Intensivpflege für die mittlerweile etwas strapazierten Füße und Pfoten …

… und dann endete ein wunderschöner Wandertag mit tollen Eindrücken und unglaublichen Bildern im Kopf sehr entspannt bei Salat, leckerer Lasagne, einem feinen Tiramisu und einem Radler im Hotel Gudrun.

Morgen geht es nach Sterzing – die letzte Etappe. Ich kann es kaum glauben – dann ist es wirklich vollbracht.

Sonntag, 19.09.2021

Nun ist die letzte Etappe also auch geschafft. Unglaublich! Die Zeit ist wahnsinnig schnell vergangen. Vermutlich deshalb, weil man ständig in Bewegung war, immer in anderen Unterkünften geschlafen hat und nicht zuletzt, weil ein unglaublicher Ausblick den nächsten jagte.

Unser heutiger Tag hat in Gossensass bei einem Frühstück im Hotel Gudrun begonnen. Neben Cappuccino, Säften, Obst, Joghurt, Müsli, Käse, Aufschnitt und verschiedenen Brotsorten gab es unglaublich leckere Croissants. Damit ließ sich der Tag beginnen und so starteten Ginger und ich in unsere letzte Etappe nach Sterzing.

Zuerst ging es vom Hotel aus zum Dorfplatz am Bahnhof vorbei, bis zu einer Unterführung, die uns unter den Bahnlinien hindurchführte.

Nach der Fußgängerunterführung bogen wir nach rechts ab und folgten von nun an den Wegweisern zur Vallmingalm. Diese führten uns erst über den Pflerschbach, dann nach rechts den Uferweg entlang bis zu dem Wanderweg 19 A, der nach ca. 600 Metern links in den Wald einbog.

Ab hier ging es stetig in einer angenehmen Steigung einen Waldpfad hinauf, der mal aus weichem, mit Kiefernnadeln übersäten Waldboden und mal aus felsigem und verwurzeltem Untergrund bestand. Nach einiger Zeit stießen wir auf einen Forstweg, dem wir aber nur wenige Meter folgten, um dann gleich wieder auf den Steig hangaufwärts abzubiegen- immer weiter Richtung Vallmingalm. Der Waldweg führte vorbei an moosbewachsenen Felsen, alten knorrigen Kiefern und der einen oder anderen Ruine aus alten Zeiten und endete schließlich auf einen weiteren Forstweg. Dem folgten wir nur begleitet vom Rauschen des Baches rechts von uns, bis wir in Höhe der Waldgrenze vom Geläut der Kuhglocken begrüßt wurden.

Hier tauchte dann auch schon rechter Hand die Vallmingalm auf, die neben Kaiserschmarren auch hausgemachten Käse und frische Milch anbietet. Da das Wetter langsam zu kippen drohte, wollte ich so schnell wie möglich weiterlaufen, den Käse dort aber dennoch probieren. Die Hüttenwirtin war freundlich und spontan und packte sofort ein Stück ihres Käses und ein paar Scheiben Brot für uns ein. So konnten Ginger und ich uns schnell wieder auf den Weg Richtung Roßkopf-Bergstation machen, unserem geplant höchsten Punkt unserer heutigen und damit letzten Etappe.

Dafür mussten wir wieder ein Stück den Weg zurückgehen und dann auf den Dolomieu-6 Almenweg nach rechts abbiegen. Er führt in leichten Bögen direkt zum Plateau und zur Bergstation und besteht zum Teil aus groben Holzstufen oder gut begehbarem Waldweg. Noch begleitete uns die Sonne und so beschloss ich noch einen kleinen Abstecher auf den Monté Cavallo zu wagen. Leider schlug das Wetter auf halbem Wege innerhalb kürzester Zeit um und so mussten wir schweren Herzens umdrehen und uns zügig auf den Weg zur Bergbahn machen, die uns dann bei heftigem Regen und Wind ins Tal nach Sterzing brachte.

In Sterzing angekommen, nutzte ich die Wartezeit, bis der Bus zurück ins Hotel fuhr und schlenderte mit Ginger trotz Nieselregen einmal durch die Fußgängerzone. Zwar waren die Geschäfte geschlossen, aber ein heißer Cappuccino mit einem Teilchen musste trotz kalter Finger und nasser Kleidung einfach sein.

Im Hotel gab es dann nach einer heißen Dusche den Käse und das Brot einfach auf dem Bett. Mein Geschmack war er nicht – aber Ginger fand ihn augenscheinlich super und irgendwie war es so dann auch sehr gemütlich.

Diese letzte Etappe lief vielleicht nicht ganz so wie geplant, da das Wetter uns am Ende einen Strich durch die Rechnung gemacht hat … Aber wie war das noch mit den plötzlichen Wetterumschwüngen in den Alpen?! Letztlich hatten Ginger und ich trotz Regen und Nässe auch heute jede Menge Spaß, Bewegung und Abenteuer.

Fazit

Wir sind in den letzten 7 Tagen insgesamt 132 Kilometer gelaufen, haben 5705 Höhenmeter gemacht und marschierten 4970 Meter bergabwärts.

Zwar sind uns auf unserem Weg weder Bär noch Wolf begegnet, auch kein Luchs, dafür haben wir Murmeltiere und einen Steinadler gesehen und spektakuläre Aussichten genossen. Ich kann wunderbar mit mir selbst sein, freue mich aber wahnsinnig auf meine Familie und den restlichen Zoo. Ginger ist ein toller Hund, mit dem es sich richtig gut verreisen lässt. Sie musste das eine oder andere Mal ganz allein in einem ihr fremden Hotelzimmer ausharren und hat stets motiviert und freudig mit mir Schritt gehalten. Es war schön, sie an meiner Seite zu haben – so war ich eben doch nie ganz allein.

Zwar bin ich die einzelnen Etappen mit Ginger alleine gelaufen, doch am selben Tag haben sich auch noch andere Wanderer auf den Weg von Garmisch nach Sterzing gemacht. Im Laufe der Tage haben wir uns ein wenig kennengelernt. Sechs völlig unterschiedliche Personen, alle in ihrem eigenen Tempo, mit ihrem eigenen Antrieb, aber alle mit dem gleichen Ziel. Vielen Dank für die geselligen Abende.